Ringvorlesung

Die Ringvorlesung der PD/TP wird ab 2018 als Ringvorlesung der Fortgeschrittenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weitergeführt. Verantwortlich für die Organisation der Vorlesung und die Publikation der Vorträge ist eine Kommission, der folgende Personen angehören:

  • PD Dr. Jan-Andrea Bernhard, ThF
  • Prof. Dr. Michael Hässig, vetsuisse
  • Dr. Sabine Hoidn, PhF
  • PD Dr. Malcolm Maclaren, RWF
  • Prof. Dr. Matthias Neugebauer, ThF
  • Prof. Dr. Wolfgang Rother, PhF
  • Prof. Dr. Stephan R. Vavricka, MeF
  • Prof. Dr. Ulrike Zeuch, PhF

Kontakt: Prof. Dr. Wolfgang Rother wolfgang.rother@philos.uzh.ch

Ringvorlesung 2017: Lust und Leiden

Lust und Leiden

Dass wir die Lust dem Leiden vorziehen, dass wir von Natur aus nach Lust streben und Schmerzen zu vermeiden suchen, gilt als anthropologische Binsenwahrheit - wer sich einen Zahn ziehen lässt, wird sich dieser Prozedur kaum ohne örtliche Betäubung unterziehen wollen. Allem Anschein zum Trotz sind Lust und Leiden aber keine konträren Empfindungen. Die Wahrheit ist komplexer und komplizierter. Wir gehen solchen Lüsten aus dem Weg, an deren Konsequenzen wir möglicherweise leiden und sind umgekehrt ohne weiteres bereit, um späterer Lustempfindungen willen Schmerzen zu ertragen. Als religiöse Menschen fasten wir, üben uns in strenger Enthaltsamkeit, geisseln uns und sind glücklich. Als Marathonläuferinnen, Jogger und im Krafttraining quälen wir unseren Körper und fühlen uns gut dabei. Als Masochisten empfinden wir Lust, wenn uns Schmerzen zugefügt werden. Lust und Leiden - das Thema wird aus theologischer und kulturanthropologischer, historischer und literaturwissenschaftlicher, medizinischer und sexualwissenschaftlicher, kunstgeschichtlicher und soziologischer Perspektive beleuchtet.

Die Vorlesungen finden jeweils im Herbstsemester am Mittwoch von 18.15 bis 19.30 im Hauptgebäude der Universität Zürich, Rämistr. 71, Hörsaal KOL-F-104 statt. Der Eintritt ist frei.

Organisation: Prof. Dr. Josette Baer und Prof. Dr. Wolfgang Rother

Das Programm der Ringvorlesung finden Sie hier (PDF, 609 KB)

Ringvorlesung 2016: Terror

Der Terror hat zwei Gesichter. Die frühneuzeitliche politische Theorie sah Terror im Sinne von Abschreckung als jenes notwendige Zwangsmittel, um den Krieg aller gegen alle zu überwinden und um Gesellschaft und Zivilisation zu begründen (Hobbes) oder auch als legitimes Mittel zur rigorosen Durchsetzung moralischer und politischer Prinzipien, ja gar zur Verwirklichung von Tugend und Gerechtigkeit (Robespierre). Doch der Terror erwies sich zusehends als Zerstörung des Rechtsstaats und der Zivilisation: Der faschistische und stalinistische Staatsterror wie der aktivistische Terror politischer Extremisten, ob politisch oder religiös motiviert oder von grundlosem Hass getrieben, verbreitet Angst und Schrecken – er wird systematisch und willkürlich zugleich eingesetzt, um bestimmte Ziele zu erreichen. Potentiell und real ist der Terror in seiner totalitären und totalen Selbstzerstörung gegen alle und alles gerichtet. Er ist wie Saturn, der seine Kinder frisst (Büchner). Im vorliegenden Band wird das janusköpfige Phänomen aus philosophischer, historischer, psychologischer, sozialanthropologischer, literaturwissenschaftlicher und kunstgeschichtlicher Perspektive beleuchtet.
Josette Baer, Wolfgang Rother (Hg.): Terror. Basel: Colmena, 2017
 
 

 

Ringvorlesung 2015: Verbrechen und Strafe

Der Mensch – ein vernunftbegabtes, ein gesellschaftliches und politisches Wesen? Oder ein «Sünder», wie Adam und Eva, die das göttliche Gebot übertreten? Oder gar ein Kapitalverbrecher, wie unser Stammvater Kain, der seinen Bruder aus purem Neid erschlägt? Am Anfang der Geschichte der Menschheit stehen, so die Perspektive des biblischen Mythos, Verbrechen - und Strafe: die Vertreibung aus dem Paradies und damit die Entstehung von Arbeit, Technik und Kultur: Kain ist Ackerbauer, seine Nachkommen sind Erz- und Eisenschmiede, Zither- und Flötenspieler. Vor diesem Hintergrund wird klar: Verbrechen und Strafe lassen sich nicht auf den juristischen Aspekt von Gesetzesübertretung und angemessener Sanktion reduzieren - vielmehr geht es hier um die conditio humana in ihrer Komplexität, um die vielfältigen Facetten des Menschseins, die nur in einem interdisziplinären Zugriff adäquat erfasst werden können. In diesem Sinne werden im vorliegenden Band Verbrechen und Strafe aus theologischer und kirchengeschichtlicher, historischer und kulturvergleichender, literaturwissenschaftlicher und kunstgeschichtlicher sowie psychologischer und philosophischer Perspektive betrachtet.

Josette Baer, Wolfgang Rother (Hg.): Verbrechen und Strafe. Basel: Colmena, 2017
http://colmena.ch/buecher

 

Folgende Rezensionen sind erschienen:

Frühere Ringvorlesungen sind in Buchform erhältlich, siehe Archiv>Ringvorlesungen.